Würdigung von Dani Arnold

(Rede von Eddy Steiner anlässlich der Vergabe des Alexander Burgener-Preises 2011 am 16. Juli 2011)

Meine Damen und Herren, liebe Bergsteigerfreunde, geschätzer Daniel Arnold

Für schottische Alpinisten ist es ein ehrenwertes Ziel, die 284 Munros zu erklimmen, also alle Berge, die höher sind als 3000 Fuß (914,4 Meter). Alpen-Bergsteiger können sich dagegen alle Viertausender der Alpen vornehmen, das sind je nach Zählweise 53 bis 180 Erhebungen. Von Gipfeln kann man nicht immer reden, bei den 180 werden auch diverse Nebengipfel gezählt. Aber wie auch immer – der Mensch hat immer ein Ziel und das verfolgt er hartnäckig – manchmal leider auch über seine eigenen Grenzen hinaus – erinnern wir uns an die letztjährige Ehrung von Bruno Jelk.

Und dieses Jahr ehren wir einen jungen Bergführer, der mit seinen 27 Jahren eigentlich noch zu den Greenhörnern unter den Bergführern gehört.

Der 27-jährige Arnold stieg am 20. April um 09.05 Uhr morgens beim Sommereinstieg auf dem ersten Band in die legendäre Wand oberhalb von Grindelwald ein, durchkletterte diese im Alleingang über die klassische Heckmair-Route und stand um 11.33 Uhr auf dem Gipfel. Unterwegs überholte er mehrere Alpinisten, darunter den bekannten Walliser Bergsteiger Simon Anthamatten, den er um 10.44 Uhr im Götterquergang traf. Damit unterbietet er Ueli Stecks bisher schnellste Zeit um 20 Minuten und wird zum neuen Rekordhalter in Sachen Speed am Eiger.

Diese Meldung habe ich gefunden, als ich den Begriff Speedrekorde Eigernordwand googlete. Uebrigens fand google in 0,22 Sekunden über 9'480 Eintragungen zu diesem Thema und wenn ich Eiger eingab, so fand google in 0,19 Sekunden 7'870'000 Eintragungen.

Wenn auch der Öffentlichkeit noch kaum bekannt, ist Dani Arnold alpinistisch kein unbeschriebenes Blatt: Im vergangenen Jahr machte er mit einer Solobegehung der 36 Seillängen des legendären Urner Salbit-Westgrats in einer Zeit von eineinhalb Stunden auf sich aufmerksam, nachdem er sich mit Onsight-Begehungen der Mixed Routen «The Flying Circus» und «Come on Baby» in einschlägigen Kreisen bereits einen Namen gemacht hatte. Ebenfalls im letzten Jahr gelang ihm ausserdem, zusammen mit dem Schweizer Profi-Alpinisten Stephan Siegrist und dem Alpinfotografen Thomas Senf, die erste Winterbegehung des Torre Egger in Patagonien.

In der alpinen Literatur wird die Eiger-Nordwand zum ersten Mal anschaulich in einem Buch von 1864 beschrieben:

«Von den Tausenden, die jährlich unter dem Schatten dieser grandiosen Mauer vorbeigehen, die an Höhe und Steilheit die des Wetterhorns noch übertrifft, ist wohl jeder von dem wilden Abbruch zutiefst beeindruckt. Aber so überwältigend der Anblick dieser Felsabstürze von unten auch sein mag – niemand kann sie richtig einschätzen, der nicht von oben in sie hineingeschaut hat. Nicht einmal in der Dauphiné habe ich einen so jähen, glatten Abbruch gesehen. Ein Stein, der von der Gratkante abbricht, fällt Hunderte Meter hinunter, ohne einmal aufzuschlagen. Es ist fast verblüffend, dass die Westseite dieses massigen Felsberges verhältnismässig leicht zu begehen ist, während die Nordwand so jäh in die Tiefe stürzt, als ob hier der ganze Berg abgeschnitten wäre.»Zitat:
A. W. Moore: The Alps

Der heutige Preisträger reiht sich ein in eine Liste herausragender und berühmter Alpinisten, wie Michel Darbella, der 1963 in 2 Tagen die Wand durchstieg, oder 1981 Ueli Bühler in 8 ½ Stunden, oder 1983 Thomas Bubendorfer in 4 Std. 50 Minuten, 2003 Christoph Hainz in 4 ½ Stunden, 2007 Ueli Steck in 3 h 54 und 2008 der gleiche Ueli steck in 2 Std. 48.

Und jetzt kommt so ein Junger daher und durchläuft oder bezwingt oder besiegt der greift die Wand an oder stürmt sie oder hat er sie herausgefordert oder, oder, …

Es bleiben offene Fragen zum Thema Speed – aber die muss jeder für sich selber beantworten

Wer ist dieser Daniel Arnold?

Auf seiner Webseite fand ich folgendes:

«Die Berge - Der grösste Spielplatz der Welt!

Irgendwann kletterte ich durch die Eigernordwand. Dann pickelte ich mich die schwierigsten Eis- und Mixedrouten Europas hoch. Und diesen August war ich bei der ersten Winterbesteigung des Torre Egger in Patagonien mit von der Partie. Dabei hatte doch alles erst vor wenigen Jahren ganz simpel begonnen: mit Wanderungen, leichten Hochtouren, klettern und dem Versuch mit zwei Eispickeln den gefrorenen Bach neben meinem Elternhaus hochzukraxeln.

Die Bergwelt hatte mich aber schon viel früher fasziniert. Nicht zuletzt aufgrund meines Daheims: Ich bin im Kanton Uri aufgewachsen. Genauer gesagt, im Schächental auf 1720 Metern Höhe. Um zur Schule zu kommen, mussten meine Geschwister und ich mit der Seilbahn ins Tal fahren. Und schon ganz früh unternahmen wir mit unserem Vater Bergtouren, erst leichte Wanderungen, später einfache Klettereien.

Schon damals wollte ich aber immer noch weiter gehen, mehr unterwegs sein, schwieriger klettern, schneller voran kommen, um immer wieder tolle Abenteuer in den Bergen zu erleben.

Mittlerweile ist der Alpinismus für mich weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung und ein Grossteil meines Lebens dreht sich ums Bergsteigen. Neben meinen privaten Touren, arbeite ich heute als Bergführer und immer mehr als Profi-Alpinist.

Einige meiner Projekte konnte ich bereits verwirklichen. Und auch in Zukunft wird es bestimmt nicht langweilig werden…

Nicht nur meine persönliche Leistung ist mir wichtig. Sondern auch das Gelingen einer Tour mit meinen Gästen. Denn seit 2009 arbeite ich auch als Bergführer. Viele zufriedene und glückliche Kunden habe ich schon auf Ihre Traumgipfel begleitet.

Das Zusammenstellen von Touren, Finden eines passenden Gipfels und vor allem das Durchführen einer Tour macht für mich sehr viel Spass. Auch möglichst viele interessante Bergerlebnisse und Naturschauspiele meinen Gästen zeigen zu dürfen und ganz klar nicht zuletzt, das Erreichen eines Gipfels ist auch für mich eine grosse Herausforderung.»Zitat:
Dani Arnold

Und solche hat er bereits einige bewältigt:

Stephan Siegrist, Dani Arnold und Thomas Senf gelang in Patagonien die erste Winterbesteigung des Torre Egger (2685 m). Mit einer drei Tage (und Nächte) dauernden Parforce-Leistung nutzten die drei Alpinisten die erste sich bietende Schönwetterphase und erreichten am Mittag des 3. August den Gipfel des Torre Egger. Die Besteigung gelang in lupenreinem Alpinstil, ohne vorgängiges Anbringen von Fixseilen und Materialdepots.Zitat:
Dani Arnold

Dryland heisst ein neues Mixed-Gebiet oberhalb von Innsbruck. Mit Stephan Ruoss verbrachte ich im Dezember zwei Tage dort. Die Routen wurden vom bekannten Albert Leichtfried eingerichtet. Das spezielle im Dryland ist der Konglomerat- Fels. Viele kleine Kiesel machen die Kletterei sehr gewöhnungsbedürftig, aber auch interessant. Grosse Dächer und Überhänge sind auch nicht Mangelware. Zwei Routen konnte ich rotpunkt klettern. «Encore» M12+ und «Tension» M12. Außergewöhnlich an der Route Encore ist ein sehr schwieriger Einzelzug in einem Dach. Am dritten Tag kam der Föhn und wir flüchteten nach Hause.

Ende 2010 machten wir einen Besuch auf dem Urnerboden. Dieses Gebiet bietet sehr viele Möglichkeiten. Von schönen und einfachen Eisrouten bis anspruchsvolle Mixed-Routen von Robert Jasper. Drei Routen habe ich onsight geklettert:

Security Check 2000 M9-: Zum onsight klettern ganz übel. Sie hat viele kleine Löcher und bis man die besten gefunden hat, geht auch die Kraft langsam zu Ende.

Der Graf M8+: Tolle Linie. 45 Meter immer steiler werdende Kletterei.
Gläsernes Herz M8+: Rechts von «der Graf». Wird ganz selten wiederholt. Die Route muss selber abgesichert werden. Die offenen Risse im Mittelteil waren nicht ganz einfach zum Absichern.Zitat:
Dani Arnold

Zum Preis:
Im Bereich des Allalinhorns ist die Zone von Zermatt–Saas Fee anstehend. Diese Einheit bildet mit der Tsaté-Decke die Bünderschiefer-Ophiolith-Decke, die über der Monte-Rosa-Decke liegt. Sie stellt eine mächtige Masse ozeanischer Sedimente dar, die stellenweise sehr viele Ophiolithe enthält. Es finden sich Kalkschiefer sowie Grüngesteine wie Serpentinit, Gabbro und Basalt
Sehr bekannt ist der aus dem Bereich des Allalinhorns und Saas Fees stammende Allalin-Gabbro. Hierbei handelt es sich um ein Leitgestein. Der widerstandsfähige Allalin-Gabbro wurde über den Saaser- und dem Rhonegletscher abtransportiert und zwar mindestens vor 14.000 bis 16.000 Jahren, als der Saasergletscher zuletzt bis an den Rhonegletscher heranreichte. Findlinge wurden im Einzugsbereich des Rhonegletschers gefunden, beispielsweise ein kopfgrosses Exemplar, das in einer Kiesgrube in Ins im Kanton Bern gefunden wurde und heute im Saaser Museum ausgestellt wird. Das auffälligste Mineral dieses auch Schweizer Jade genannte Gesteins ist der leuchtend grüne Omphazit neben dem jadeähnlichen Saussurit