Eröffnungsrede des Stiftungspräsidenten
Renzo Casetti
zur Eröffnung der Ausstellung
zum 100. Todestag Alexander Burgeners
am 17. Juli 2010

«Das geht nicht, also … probieren wir es» sagte einst Alexander Burgener am Col du Lion als kein Vorwärtskommen mehr möglich schien. Genau diese Worte passen auch für das Unterfangen Alexander Burgener, dem König der Bergführer, auf der Hutegge, eine Ausstellung zu widmen. Während den Vorbereitungen gab es viele schwierige Passagen zu überwinden. Eine erste Hürde war genommen, als wir am 23. April diesen Jahres die Alexander Burgener Stiftung gründeten. Seit da an tasteten wir uns wie eine Seilschaft zielstrebig bis zum Gipfel vor.

Gedenken

Heute vor 100 Jahren und 7 Tagen hat Alexander Burgener sein Leben in den Bergen verloren. Eine Lawine am Bergli hat ihn und seinen Sohn Adolf in den Tod gerissen. Alexander Burgeners unfassbares Schicksal ereilte auch viele andere Saaser Bergführer. Ihre Namen sind auf dem Bergführer-Mahnmal auf dem Mittelallalin eingraviert. Wir wollen heute die Gelegenheit ergreifen und nicht nur Alexander Burgener, sondern auch ihnen gedenken. Sie alle haben ihre Leidenschaft zu den Bergen zum Beruf gemacht und zahlten dafür mit ihrem Leben.

Hotel Hutegge

Alexander Burgener war 13Jährig als 1858 mit dem Bau des Hotels Huteggen begonnen wurde. Er soll wacker Pflaster getragen haben «Was ihm den Wuchs genommen hat». Er war klein und gedrungen. Das Hotel, in dem wir uns befinden, kenne ich von aussen seit meiner frühesten Jugend. Wie spannend war es doch immer, wie der Postautofahrer auf den Millimeter genau durch die enge Stelle zwischen Hotel und Haus fuhr. Das Innere sah ich dieses Jahr zum ersten Mal und war sofort begeistert! An den Innenräumen wurde seit der Bauzeit kaum etwas verändert und von der noch recht gut erhalten Grundsubstanz können Sie sich selbst überzeugen. Bauten von dieser Einfachheit, geometrischen Ordnung und Bodenständigkeit verschwinden leider mehr und mehr. Wir stehen vor einem wichtigen einem Zeugen der touristischen Entwicklung des Saastals welcher zudem markant mit der Lebensgeschichte von Burgener und seinen Nachkommen verbunden ist.

Voraussetzung zum Erfolg

Die Menschen, die Alexander Burgener in die Berge führte, gehörten, wie es für das 19. Jh. üblich war, dem europäischen Grossbürgertum und Adel an. Im Laufe seiner über 40jährigen Tätigkeit als Bergführer begleitete er u. a. Paul Güssfeldt, Alfred F. Mummery, Moriz von Kuffner, Elisabeth Barnaby, Clinton Thomas Dent oder Eleonore Noll-Hasenclever immer wieder auf Touren.
Teils peinlich genau beschrieben diese Gäste nicht nur die phantastische Berglandschaften, sondern auch den Menschen Alexander Burgener mit all seinen Stärken und Schwächen. Ihre schriftlichen Zeugnisse wurden in den Publikationen der Alpenvereine in England, Österreich und der Schweiz abgefasst und begründeten den internationalen Ruf Burgeners. Sie bilden neben dem Führerbuch A. Burgeners das wichtigste Fundament dieser Ausstellung. Das erste originale Führerbuch ist leider verschollen. Das Original des zweiten Führerbuches befindet sich heute im Archiv des Alpine Club in Londen. In der Ausstellung ist eine fotografische Kopie des zweiten Führerbuches zu sehen.

Die Ausstellung z.B. Bietschhorn

Die Ausstellung beansprucht die Zimmer des Obergeschosses und besteht aus 13 Tafelbildern, und einer Bibliothek. Eine Tafel ist z.B. dem Bietschhorn gewidmet.
«… , der schönste Weg aus dem Wallis ins Berner Oberland führt über den Gipfel des Bietschhorns.» steht im Jahrbuch des Schweizer Alpenclubs 1848-1885. Stammt von Prof. Dr. K. Schulz aus Leipzig. Ihm gelang zusammen mit Alexander Burgener «Die Ersteigung des Bieschhorns von Süden.» Er beschreibt ausschweifend, informativ und dramatisch das Leben als Tourist und Extrembergsteiger im Wallis. Er freute sich, dass die ausgestellte Rechnung für Abendbrot, Wein, Nachtquartier, Kaffee und Proviant für vier Personen nur 25.Fr. betrug und erkannte wohl, dass ihm uneigennützige Gastfreundschaft erwiesen worden war. Wollen Sie das alles persönlich nachlesen? Sie finden den Band in der Bibliothek. Ihn wie alle andern Bücher auch dürfen Sie …. wenn Sie das nächste Mal kommen … in die Schenke nehmen, in Ruhe studieren und anschliessend bitte nicht mitnehmen, sondern wieder an den angestammten Platz zurückstellen.

Quellen und Grundlagen

Als wichtigsten Alexander Burgener Forscher möchte ich hier nur Josef Braunstein erwähnen. Ihm stand das Führerbuch zur Verfügung, als er seinen ausgezeichneten Artikel Alexander Burgener 1845-1910 «Ein Beitrag zur Geschichte des Bergsteigens» in den Alpen 1940 veröffentlichte. Es ist vor allem auch diese Quelle, die mich zum Abenteuer dieser Ausstellung ermutigte. Leider konnte Braunstein seine geplante Monografie zu Alexander Burgener nicht realisieren. Gerne hätten wir mehr geforscht, auch im persönlichen Gespräch. In der sehr kurzen Zeit war uns dies aber nicht möglich. Wir ermuntern deshalb alle, die weitere Aussagen, alte Bilder, Gegenstände im Zusammenhang mit Alexander Burgener oder dem Hotel Huteggen haben, uns das wissen zu lassen.

Dank an Alexander Burgener

Mit fortschreitender Arbeit hat sich die Ausstellung zu einer «Hommage an Alexander Burgener» gewandelt. Wie gerne wäre ich ihm persönlich begegnet!